Nicht angemeldet

Login Registrieren

Blog-Funktionen

Home Archiv Suche Login

Kommentare XML

Kristof dieJulia Kristof alboretto martini_ganz dieJulia Phil Ad dieJulia joppi dieJulia Kristof dieJulia Kristof dieJulia

Kategorien

Blog ...Revelations derWeltraumroman Zorn, der tamara tagebuch geschmackspolizei! litera-touren/lyrics fundstücke beautiful day! private parts derFortsetzungsroman gaga im Kino Fotos dieHörnchen-Files Impressum denkt leicht kryptisch

Schreib mir!

dieMail

! Aus dem Weg, Kühe, das Leben ist kurz !


andere Blogs...

kreativbetrunken nömix wahn & sinnig Schwadroneuse Etoshas Pfanne blogotronic ahoi polloi ker0zene.de engraver renitent Markus Quint Weltauskunftei gnogongo Club Neo-Bazi Rationalstürmer kein einzelfall holy fruit salad! St. Burnster theVince Murmeltiertag Felys Tagebuch Janocjapun Pathologe Ebola Nerdcore Herr Joppi Solverat Absurdistan bjklog KonFerenz Doc Rollinger claus x Poodlepop Semmel Fireball Pepa Hackblog 500beine Konradowitsch FrauWebmasterin Fisch im Ohr e!genart Textspeier ollitalk FrauRattenbaum Eskorte fragile Nachtgespräche Oben wie Unten

Foto/Blogs...

ELECTROSPHERE TheSnowsuitEffort Staring at the Sun look-s the doors tageswerk echtlicht derWolf derAstronom BlackBlog The Big Picture Sal

Eigenbau...

Rainer von Vielen Juci Maté HotPantsRoadClub Count Basic Bad Powells Born Comaah

Musik aus Ö...

HansiLang café drechsler MAdoppelT sofa surfers Comaah HotPantsRoadClub Pacheco Denk -> Laut Madita Attwenger [COUCH] Juci Zeebee CountBasic Soundhotel Rainer von Vielen (D!)

außerdem...

Gunkl Fleisch pop-info.at 1000 Tode MAHLER~museum FUX!-Shirts Sweetmeat Tier der Woche Guten Tag Verlag

Herbst

dieJulia | 1459 days ago | 4 Comments | Link

Manchmal blättern sich die Seiten von selber um. Wenn ein Wind aufkommt zum Beispiel. So ein unvermuteter. Mit Böen um die, sagen wir, 170. Ich meine, hej! Da rackert man sich monatelang ab an dieser Großwetterlage, stapft durch einen mitteleuropäischen Regen, der anfallsartig tut, als wäre er der Monsun, läßt sich von einer unerbittlichen Sonne mit Afrika-Ambitionen verbrennen, und dann, in einer Nacht, fliegen plötzlich die Vorhänge, und man wacht auf, unmittelbar, und es stürmt, und man ist mit einem Schlag hellwach. Irgendwo im Hinterhof zerbricht etwas in tausend Scherben. Man nimmt das mit einem ehrlichen Lächeln zur Kenntnis, es hat einen nicht erwischt, nur der Nachhall. Ein altes Buch fliegt vom Fensterbrett und schlägt hilflos mit seinen vergilbten Seiten, bevor es auf dem harten Linoleum der Tatsachen aufkommt und kläglich verstummt. Es ist kein Leben mehr in ihm, egal, wie sehr man es einmal geliebt hat. Der Traum, der einen geträumt hat, so viele Nächte, so viele Tage, war bloß ein lahmer Spuk. Und man wühlt seine müden Knochen hinein in sein Kissen und schmeckt den frischen Luftzug und räkelt sich behaglich und ist zu schlaftrunken, um sich großartig zu wundern, aber nicht zu traumverloren, um sich ehrlich zu freuen.

Manchmal blättern sich die Seiten von selber um. Ein Buch hat sich selber gefressen. War wohl der Wurm drin in der ganzen Story. Wolken jagen, der Vorhang fliegt, der alte Mond, der Schwerenöter, ist wieder mal ziemlich voll und grinst fröhlich, und man feixt ihn an. Es ist viel zu spät, um sich Gedanken zu machen, später einen starken Kaffee, ja, und bald schon kommt die Müllabfuhr, um die Scherben wegzuräumen, und Herr Mond rutscht vergnügt auf seinem Hosenboden über den Horizont, und die Wolken rasen noch immer wie wild über einen geduldigen Nachthimmel. Putzerfische kommen, um den Koloss dieser monströsen Geschichte sauber zu nagen. Kopfkissen. Decke. Schlafen. Aufwachen. Anfangen.

Für morgen sagen sie schönes, ruhiges Wetter an. Endlich.

Die Zeit...

dieJulia | 1462 days ago | 4 Comments | Link

... heilt alle Wunder
Wenn du sie gut verschnürst
Bind nur die Stelle gut ab
Bis du gar nichts mehr spürst
Du weißt, ein Feuer geht aus
Wenn du's länger nicht schürst
Und du weißt, daß du besser
An alte Wunder nicht rührst

Und auch das größte Wunder geht vorbei
Und wenn es dich nicht losläßt, zähl bis drei
Und es geht vorbei, es geht vorbei
Es geht vorbei, es geht vorbei
Es geht vorbei, es geht vorbei ...

[Wir sind Helden | Die Zeit heilt alle Wunder]

Kypris

dieJulia | 1472 days ago | Comment | Link

So unerhört und unbegreiflich ist es nicht,
Was dir begegnet. Zorn der Göttin stürmt' auf dich -
Du liebst. Was Wunder? Bist du doch die erste nicht!
Und sollst du dann ob dieser Liebe sterben? Nein!
Was nützten dann dem Liebenden die Nächsten, die
Um ihn sich kümmern, wenn er eben sterben muß?
Wer kann der Kypris trotzen, wenn sie mächtig stürmt?
Sie naht gelassen einem, der sich willig fügt,
Doch wo sie stolze und überstrenge Herzen trifft,
Die packt, mißhandelt, höhnt sie dir, wer weiß wie arg!
Es schweift im Himmel, waltet selbst im Wogenschwall
Des Meeres Kypris, alles ist aus ihr gezeugt.
Sie ist es, welche Liebe sät, Verlangen weckt.
Ihr dankt das Dasein alles, was auf Erden lebt.

[Euripides/Hippolytos]

Was man lesen soll

dieJulia | 1479 days ago | 15 Comments | Link

Grad vorhin bin ich mit Thomas Glavinics "Die Arbeit der Nacht" fertiggeworden, die mich - mit Unterbrechungen - das ganze Wochenende über gefesselt hat. Habe ich vor wenigen Wochen noch aufseufzend festgestellt, daß ich nicht an den kosmischen Zufall glauben würde, auf Juli Zehs "Spieltrieb" könnte in diesem meinem Lesejahr noch Gleichwertiges folgen, muß ich an dieser Stelle sagen: ich wurde (mein Wort in Gottes Ohr?) aufs Positivste enttäuscht.

"Die Arbeit der Nacht" ist die dritte Version, die ich in meinem Leben über das Gedankenspiel "was macht ein Mensch, wenn er feststellt, daß er der letzte Mensch der Welt ist" gelesen habe. Am Anfang stand, klar, Marlen Haushofers "Die Wand", dann kam "Großes Solo für Anton" von Herbert Rosendorfer, beides Bücher, die mich beeindruckten, schockten, trösteten und erheiterten, und jetzt, im August 2006, fand die Premiere statt - dieJulia bekam zum Geburtstag die frisch gedruckte Hardcover-Ausgabe eines neu erschienenen Buchs geschenkt (für normal pflege ich eisern auf die Taschenbuchversion zu warten: eine Kostenfrage). Und dieses Buch ist dermaßen unerhört, spannend, nervenzerfetzend, bewußtseinserweiternd und im wahrsten Sinn des Wortes mitnehmend, daß ich es von gestern Mittag bis heute Mitternacht gelesen habe. Gierig. Fiebrig. Mit glasigen Augen, mit Herzklopfen, mit aller Aufmerksamkeit, nur unterbrochen von ein paar Gängen aufs Klo, einer Fertigpizza, zwei erzwungenen Spaziergängen durch die Stadt, die dank Glavinic plötzlich ganz neue Dimensionen gewinnt, und einem Bierchen mit den üblichen Verdächtigen.

Paßt, liebe Leser, beim Googeln übrigens bitte auf. Meidet die ORF-Seite - es ist natürlich kein "Roadmovie durch Europa", dieses Buch. Es ist eine Reise an die tiefsten und unergründlichsten Tiefen der menschlichen Existenz, es streift, nein, beschwört, zelebriert oft genug einen Wahnsinn, dem man sich unter der Leselampe nur schwer nicht hingeben kann.

Glavinic ist klug genug, an einer Stelle (auf Seite 120, also im ersten Drittel) Rosendorfer zu zitieren, und zwar mit dem Satz "Das Wahre weiß seinen Wert aus sich heraus". Das hat mich gefreut, weil es irgendwie ein bißchen so eine Botschaft an den gewitzten Leser ist, ein Bonmot. So ein: "Ich weiß, daß du Rosendorfer gelesen hast, Stupid, aber ich will auf etwas ganz anderes hinaus."

Ein grandioses, ein schreckliches, ein bis ans Mark gehendes, ein gnadenloses, ein monströses Buch. Ein Buch, das man gelesen haben sollte irgenwann in seinem Leben. In diesem Sinne - auch wenn mir das sonst völlig fernliegt - Lesebefehl!

Something Wicked This Way Comes

dieJulia | 1490 days ago | 20 Comments | Link

"Jetzt mußt du eine Wahl treffen, in der nächsten Minute schon wieder eine und dann wieder. Gut oder böse tickt die Uhr. Gut oder böse. Lauf schwimmen oder schwitz weiter, lauf den Kuchen holen oder bleib hungrig liegen. Also bleibst du. Aber bist du erst einmal geblieben, Will, dann kennst du doch das Geheimnis? Du denkst nicht mehr an den Fluß. Oder den Kuchen. Denn wenn du daran denkst, wirst du verrückt. Wenn du alle Flüsse zusammenzählst, in denen du nicht geschwommen bist, all die Stücke Kuchen, die du nicht gestohlen hast, Will, dann hast du eine ganze Menge versäumt, wenn du erst in mein Alter gekommen bist. Aber dann tröstest du dich mit dem Gedanken: Je öfter du im Wasser bist, umso öfter kannst du auch ertrinken - oder an einem Stück Kuchenglasur ersticken. Aber dann kann's vielleicht auch sein, daß du dich aus purer dummer Feigheit von zu vielen Dingen fernhältst, wartest, auf Nummer Sicher gehst."

[Ray Bradbury: Das Böse kommt auf leisen Sohlen. Roman (1962)]

Frau Hölle

dieJulia | 1498 days ago | 6 Comments | Link

Warum, zur Hölle, sagst du nichts?
Warum, zum Teufel, schweigst du?
Wie kannst du schweigen? Wie kannst du das zustande bringen und nichts sagen?

Wo kann man sie lernen, diese Ignoranz? Wo kann ich mich einschreiben für diesen Kurs in Arktischer Kälte? Ich will das auch können! Wie kann ich dir das vergessen? Wie kann ich überhaupt jemals vergessen? Es hat mir mein Leben zugeschneit, weißt du, Frau Hölle hat ihre Bettfedern ausgeschüttelt über mir, und das nicht zu knapp, und dir fällt nichts Besseres ein, als deine Skier auszupacken und munter da hinunterzufahren und die dramatische Kulisse zu bestaunen. He, Sportsfreund, wo hast du das gelernt? Diese Eleganz, diese Beherrschung!

Kalt, mir ist kalt, mir ist in diesem verrückten Sommer kalt, und mein Glück läuft mir davon, läuft einfach aus und wirbelt weg in die schmutzige Unterwelt der Kanalisation, was bleibt, sind ein paar Haare in der Duschtasse dieses Lebens, und ich stehe naß und tropfend auf kalten Fliesen, und das Wasser verwandelt sich in Schnee, und Frau Hölle lacht und lacht und lacht.

Und ich entdecke, daß mein Zwerchfell bebt, ein Überlebenstrick zur Energiegewinnung, und ich lache mit, lache, bis die Tränen fließen, lache die kalten Fliesen aus und den Spiegel, vom Dampf in Beschlag genommen, und das gurgelnde Echo, das von den weißgekachelten Wänden abprallt, das lache ich auch aus, ich lache und lache, so lange, bis Frau Hölles eisige Bettfedern sich verwandeln in einen Graupelschauer, unter dem ich mich lachend wegducke, in einen warmen Regen schließlich, der auf mich herunterprasselt und das schreckliche Vakuum deines Schweigens übertönt, hörst du, ich lache es aus, dein Schweigen, mit Donner und Blitz, jedes Erinnerungsfetzchen eine heiße Träne von Frau Hölle, die plötzlich nur mehr eine alte Frau ist, mit einem durchweichten Bettüberzug an ihrem Logenplatz, und dann kommt mein Badezimmer zurück und ein paar Haare in der Duschtasse, und ein Gesicht im Spiegel, und ein Mund, das wird wohl meiner sein, der zu einer erstaunten Grimasse geronnen ist, und eine Falte auf meiner Stirn, spinnwebenfein.

Warum, zur Hölle, sagst du nichts?
Warum, zum Teufel, schweigst du?
Wie kannst du das zustande bringen und nichts sagen?

Wo kann ich mich einschreiben für diesen Kurs?

Shadowboxer

dieJulia | 1499 days ago | Comment | Link

Oh, you creep up
Like the clouds
And you set my soul at ease
Then you let
Your love abound
And you bring me
To my knees
Oh, it's evil, babe
The way you let
Your grace enrapture me
When will you know
I'd be insane
To ever let that
Dirty game recapture me

[Fiona Apple, Shadowboxer]

Phönix

dieJulia | 1507 days ago | 12 Comments | Link

Ich denke, daß wir nicht wenige sind, durch die du gegangen bist, um uns deinen Schmerz zu hinterlassen. Du hast Fragmente deiner Pein in uns gepflanzt, eisige Samen in uns gesät, die sich von uns, von unserer Hoffnung und unseren Illusionen nährten und in uns zu stattlichen Gewächsen heranreiften. Wie viele sind wir? Wie viele von uns tragen diese winterharte Frucht in sich, die wir nicht verdauen, der wir aber auch nicht - oder nur schwer - den Nährboden entziehen können?

Ich habe nie das Nichts begriffen, bevor ich dir begegnet bin (bevor du eingeschlagen bist auf meinem Planeten wie ein fehlgeleiteter Meteorit, den meine Atmosphäre nicht zum Verglühen bringen konnte). Ich habe auch nicht sofort verstanden, was da mit mir passierte, denn diese Pflanze wächst unauffällig, bildet zarte Wassertriebe, die sich elegant durch Seelenwindungen schlängeln, biegsam und geschmeidig, ehe sie sich verdichten, hart und hölzern werden. Wenn man entdeckt, was da los ist, ist es irgendwie schon zu spät, wie so oft im Leben.

Und wie ist das für dich? Spürst du es? Zersplittert dein Weh in einen lautlosen Funkenregen, wenn du ein Opfer gefunden hast, setzt es sich im Bruchteil einer Sekunde wieder neu zusammen, schrumpft es? Bringt es dir Erleichterung? Weißt du, was du da anrichtest? Opfer. Ich habe Opfer gesagt, aber ich sage es zögernd. Mein Verstand hat sich als schillernde Blase vom Rest gelöst und hängt zitternd zwischen den Welten. Er schaut herab auf Chaos und Verwüstung, er kann sich auf manches keinen Reim machen. Mein Verstand urteilt nicht, er sammelt Informationen, nach wie vor recht verläßlich. Die seltsame Pflanze, die du da gesetzt hast, ist weit gediehen. Ich habe unter ihrem Einfluß meine Illusionen gemordet (weißt du noch?) und so manchen Traum begraben, aber das Nichts ist mehr als nur nichts. Das Nichts, das mich erfüllt, ist sehr gegenständlich, und es breitet sich aus. Es hat den Gott in mir radiert, dieses Nichts. Es hat dankenswerterweise auch den Schmerz verändert, oder besser: dessen Rezeption. Ich weiß, daß er da ist, aber ich fühle ihn nicht. Dieses gefräßige Gewächs hat von weiten Teilen meiner selbst Besitz ergriffen. Seine Wurzeln reichen bis zu meinen Tränenkanälen und trinken gierig davon; ich kann schon lange nicht mehr weinen. Körperlich kein Problem. Man tropft sich mehrmals täglich eine Mixtur aus Polyvidon K 25 (PVP), Borsäure und Benzalkoniumchlorid in die Augen. Die Augen. Nennt man sie eigentlich umsonst Spiegel der Seele? Ich denke schon. Ich kann an ihnen jedenfalls keine Veränderung feststellen seit meinem Fall (hast du mich in diesen Abgrund gestoßen?), meinem Fall, der mehr ein willenloses Treiben ist als ein panikerfülltes Stürzen. Vielleicht sind die Ringe unter meinen Augen ein bißchen deutlicher geworden in letzter Zeit, aber das mag andere Ursachen haben. Ich neigte immer schon zu einem gewissen Waschbären-Look. Und das Braun meiner Iris ist wie immer. Ein bißchen fade, wenn ich mich so in den Spiegel schaue, abgesehen von den Momenten, in denen ein Sonnenstrahl darauf trifft und einen moosigen Grünton enthüllt.

Meine Gefühle verkümmern im Schatten dieses Gewächses, das du in mir gesät hast. Von Zeit zu Zeit bildet der Enthusiasmus eine Luftwurzel aus, oder der Zorn, selten das Bedauern, aber alles in allem reicht es gerade so für Gleichgültigkeit. Die Blätter der Sehnsucht werden gelb und fallen irgendwann ab. Dort, wo früher Hoffnung keimte, hat das Nichts seine Wurzeln geschlagen. Es hat ihr buchstäblich den Boden abgegraben. Du - oder war es ein Fragment deines Schmerzes? - hast mich gelehrt, daß es keinen Sinn gibt. Was nicht weiter schlimm ist. Es lebt sich so viel angenehmer, wenn man beschließt (oder solcherart eigentlich beschlossen wird), nicht mehr zu kämpfen. Das ist wohl die Ruhe nach dem Sturm, und wenn andere durch mich gehen, macht mir das nichts. Es läßt mich kalt, weil bald alles in mir Asche ist.

Asche, sage ich.
Speramus meliora; resurget cineribus. Ein Rest von mir ist wohl doch noch am Leben unter dem präzisen Wuchern des Nichts. Wenn alles verbrannt ist, kann vielleicht wieder etwas keimen. Wenn sich die Feuer durchgefressen haben und sich der Ascheregen senkt, wenn am Morgen eines irgendwann anbrechenden Tages die Sonne sich über diese Wüste erhebt in einer plötzlich klaren Atmosphäre, wenn das Nichts sich selbst aufgefressen hat, weil ich ihm, ausgelaugt und leer, keinen Nährboden mehr bieten kann, wenn dann vielleicht später ein sanfter Regen fällt, aus Wolken, die von einem bis dato unentdeckten Irgendwo heranziehen und sich ballen wie die ersten Wolken der Welt: Dann werde ich es vielleicht tatsächlich sagen können, mit eingerosteter Stimme und erstaunt über ihren Klang und mich selbst. Speramus meliora; resurget cineribus.

"Wir hoffen auf Besseres, es wird sich aus der Asche erheben.“

Signum

dieJulia | 1512 days ago | 9 Comments | Link

Da war die Haustür und dahinter wars
daß ich und sie und sie und ich
in eines fremden Hauses stummer Nacht
betrieben was der Liebe glich.

Glich anderm noch: Denn unser Atem
ward aufgesogen durch das unerbittliche Gestein:
so zwischen kalter Glätte rauher Kälte
bewegten wir uns in ein Niemandsland hinein.

Da war die Haustür und war unverschlossen
da waren sie und ich und ich und sie.
Und der Moment der längst mit uns verflossen
verging in jenem fremden stummen Hause nie.*

(*Günter Kunert, *1929)

Nachtwache. Rot. Ein Atem ringt in uns ...

dieJulia | 1544 days ago | 12 Comments | Link

Nachtwache. Rot. Ein Atem ringt in uns.
Ein Wind will auf. Voll Fremde, Heimweh-Schluchzen.
Wir suchen irr. Nach Fleisch, nach Welt. Nach Lachen
Wir sind umragt von uns.
Der Durchbruch stockt. Die Fesseln. Schwer das Blut.
Versenkt die Brunst, die stöhnt und aufwärts möchte.
Wir wollen Glanz und Weite, helle Höhen,
Vom Meer umweht. Und Küsse, tief ins Fleisch
Lechzende Jagd durch flammende Gebirge
Nach Panthern, Affen, Frauen
Und nach Schlaf.
Nach süßen Nächten, die uns schlafen lassen.
Wir sind nach Inseln toll in fremden Welten.
Denn wir sind außer uns: Vor unsrer Engel!
Und bauen immer heiß an unserm Traum.*

(*Ernst Wilhelm Lotz [1890 - 1914] - auf den gestoßen: da!)