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The Science of Sleep

dieJulia | 1431 days ago | 6 Comments | Link

Ich mag ja so absichtlich fronsösische Filme mit gutaussehenden Darstellern, die man auf extra blaß-verhuscht getrimmt und für viel Geld so analog wie nur möglich mit wackeliger Handkamera bei härtestem Tageslicht abgefilmt hat, damit es bloß nicht nach professionellem Mainstream aussieht, sondern nach Kunscht, nicht. Ganz schlimm wird es, wenn Hauptdarsteller, egal ob Männlein oder Weiblein, eine peruanische Mütze in warmen Rottönen zum schäbigen Anzug in verblaßtem Violett aus Opas Mottenkiste tragen und möglichst verloren und mager aus der Wäsche schauen, weil das die ich-bin-ja-so-anders Indie-Polizei in ihre so ungemein selbstgefällige Art von schläfrig-milder Hochstimmung versetzt, bei der ihr die Hornbrille (wahlweise randlos) zart anläuft und der Britpop-Haarschnitt (bei Indie-Mädchen: der superkurze Pony zur kunstvoll zerzausten Fransenfrisur) sich vor lauter Bestätigung besonders apart ringelt.

Aber!

Ich Mainstream-Sau mag Michel Gondry. Wenn Michel Gondry einen solchen Film dreht, verzeihe ich ihm alle in ihrer Billigkeit nachgerade schon unerträglichen Klischees, die mir in Wahrheit so peinlich sind wie Fußpilz oder Zungenbelag. Gondry trägt, ganz im Gegensatz zu all den jedem schrägen Trend nachlaufenden und extra-hippen Dumpfbacken, die nix auf die Reihe kriegen und jede kulturelle Äußerung nur solange gut finden, bis eine gewisse Anzahl von Menschen sich dafür begeistert, einen nachgerade großartigen Grundwahnsinn in sich, der sich in einfach nur als magisch beschreibbaren Bildern manifestiert. Die Handlung? The Science of Sleep, Gondrys aktueller Streich, spielt sich irgendwo in Paris ab. Der reichlich verhuschte Protagonist Stéphane, der nach dem Tod seines Vaters von Mexiko in die französische Hauptstadt kommt, wo er auf Betreiben seiner Mutter als ungemein kreative Seele einen total schnöden Job in einer total schnöden Firma übernimmt, die billige Kalender herstellt, hat massive Probleme, Traum und Realität auseinanderzuhalten und verliebt sich in seine ebenfalls reichlich verhuschte Nachbarin Stéphanie. Und weil beide so verhuscht sind (er aber noch viel mehr als sie), kann das natürlich nicht gutgehen. Soviel dazu.

Der Charme dieses denkbar simplen Plots ergibt sich - wer die Videos von Gondry kennt, weiß, was ich meine - auf der optischen Ebene. Es ist ja, so grundsätzlich, alles sehr schwierig, aber wenn das Hirn von Gondry spazieren geht, kommt dabei ein extrem lustiger, extrem sehenswerter und extrem verschrobener Film heraus, den man sich in seiner großartigen Skurillität vor allem anschauen sollte, wenn man in seinem Herzhirn ein kleines, begeisterungsfähiges Kind sitzen hat, das nach herzigen Stofftieren in tränentreibend desolatem Zustand, Meeren (oder Müttern) aus Cellophan und abgenudeldten Plüschohren greint.

höchst subjektiver dieJulia-Faszinations-Faktor: sehr sehenswert!

Öös üüst olles gonz füarchterlüch!

dieJulia | 1652 days ago | 6 Comments | Link

Also ich mochte ja schon das Buch nicht, das meinem jüngsten Kinoerlebnis in groben Zügen zugrunde liegt (was mich damals aber nicht daran hinderte, den Kelch bis zur bitteren Neige auszukosten und es fertigzulesen. Ich kapituliere nicht gern): Deshalb war mir auch vorab klar, daß ich auch das hier nicht mögen würde. Das aber zumindest auf eine interessante Art und Weise, weil ich mich - ebenso wie mein sehr geschätzter Begleiter - die meiste Zeit über abhauen mußte und außer nix einfach nix empfand dabei (hätte ich mich etwa ekeln sollen? Irgendwas Epochales entdecken?). Sehen wollte ich ihn trotzdem, diesen Dings, äh, Film. Man muß sich manchmal von seinem Standpunkt überzeugen, glaub ich.

Kurz zusammengefaßt: Extrem kaputte Typen mit extrem kaputten Lebensgeschichten in einem extrem kaputten Ausschnitt ihres total sinnlosen und natürlich extrem kaputten Lebens, kaum Handlung, ein bißchen Landschaft. Ach ja, und ein bißchen angedeuteter Sex im Swinger-Club, und ein bisserl schocken mit der aufgeblondeten Rabenmama, die sich nicht zwischen Hippie- und Tussidasein entscheiden kann und doch eigentlich nur jung bleiben will, der erschlagenen Katz, dem Klobesenfressen im Internat, der absurd gestorbenen Oma, die selbst im Grab keine Ruh findet, dem Säufer-Papa und der Steißbein-Nekrose (wie originell!) im Endstadium. Und nicht zu vergessen: der
Deutschlehrer-der-eigentlich-Autor-sein-will-befummelt-Schulmädchen-und-hat-dann-einen-
Nervenzusammenbruch-Content. Selbstverständlich wird auf kalten Fliesen liegend ständig gesoffen, und die Kippen glimmen zwischen den Fingern, bis endlich unbeachtete Asche dramatisch herunterfällt. Ach ja, und bissl Klischee am Klangschalen-Campingplatz für durchgeknallte KurzzeitaussteigerInnen.

Alles Quark(s), wie Gugel schon auf der ersten Seite - wenn auch nicht auf das Gewünschte linkend - vermerkt. Voll nühülüstüsch. Oder nie lustig. Oder schon lustig, aber eher unfreiwillig. Quasi leere Kilometer. Das nennt man dann wohl Kunscht. Hmnja. Bin wohl zu oberflächlich, um irgendeine Tiefgründigkeit darin finden zu können.

... Und morgen schau ich mir übrigens den Futkarli an. Hähähä.

Sin City: close your eyes, Nancy!

dieJulia | 1843 days ago | 7 Comments | Link

Wer sich bei Kill Bill im Kinosessel wand, von Seven Alpträume kriegte und sich bei Hannibal die Nägel abbiß, sollte Sin City meiden. Close your eyes, Nancy, befielt Bruce Willis zu Beginn des Films seinem Schützling, und damit gibt er die Parole für die nächsten zwei Stunden aus, in denen Gewalt, Grausamkeit und alttestamentarische Rache in einem beispiellosen Sturm der Bilder aufwirbeln, was an dunkelsten Ängsten in uns sitzt. Mord, Folter, Kannibalismus, fliegende Köpfe, redende Tote. Schöne Mädchen entweder als überirdische Opfer oder im Rausch der Gewalt - Girl-Power anno 2005 -, ein alter Cop, herzkrank und kurz vor der Pensionierung, der letzte gute seiner Art, der ein elf- und später 19jähriges Mädchen aus den wüsten Klauen der stinkenden Bestie befreit und sich am Ende für diese große Liebe seines Lebens aufopfern wird.

Die Stadt: ein Moloch, der alle Regeln aufgehoben hat, mitunter sogar die Schwerkraft. Politik? Vergiß es. Ein korrupter Filz. Machtgeile Politiker, schwer verstrickt mit dem nicht minder bösen Klerus, der die Fäden zieht. Keine Moral, kein Mitleid, kein Miteinander - nur ein paar Figuren, die wie mittelalterliche Ritter durch den Sumpf des Verderbens waten, um ihr Mädchen zu retten oder Seite an Seite mit ihm zu kämpfen. Was hier gezeigt wird, ist bisher ungeschaut - der Film noir steigt wie ein grinsender Phönix aus der Asche, makellos in seiner ungeahnten Brutalität und Cleverness. Was hier zelebriert wird, ist so archetypisch wie innovativ - ein schwarz-weißer Bildersturm weit jenseits dessen, was uns für gewöhnlich selbst im gewaltverliebten Hollywood-Kino zu sehen erlaubt ist, durchbrochen nur gelegentlich vom anmutig fließenden Rot des Blutes. In drei Episoden erzählen die Herren Robert Rodriguez und Frank Miller, Schöpfer der "Sin City"-Comics, von Rache, Grausamkeit und Gewalt, aber diese Gewalt ist keine, bei der man wegsehen muß, denn sie ist an den schlimmsten Stellen so stark verfremdet, daß am Ende nur der Scherenschnitt bleibt, der nihilistische Comic, der über den Rand des Vorstellbaren führt. Hier schützt den Zuschauer die totale Künstlichkeit. Gut und Böse sind in Sin City, dem ästhetischsten aller denkbaren Filme dieser Art, klar zu unterscheiden. Da die blode Unschuld, dort der hartgesottene Kerl, der sich zwischen den Faustschlägen seiner perversen Peiniger die filterlose Zigarette zwischen die zerfetzten Lippen steckt, um am Ende im wehenden Trenchcoat stolz den Löffel abzugeben.

Ein gnadenloser Gewaltexzeß für die einen, eine unglaublich trickreiche und ästhetische Bilderflut für die anderen. Wer plant, sich diesen Film anzuschauen, sollte im Anschluß jedenfalls einige Biere einkalkulieren, um wieder herunterzukommen.

dieJulia sagt: ein Meisterwerk – mit Vorbehalt.

Herr und Frau Schmidt - hoch lebe Hollywood!

dieJulia | 1863 days ago | 4 Comments | Link

Vorneweg muß ich kurz festhalten, daß ich dieses Posting allein schon deshalb schreibe, weil ich weiß, daß es die Kommerzhasser dann wieder in den Fingern juckt. Außerdem bin ich mittlerweile soweit, Filmen aus der profil-Kino nein danke-Kategorie meine besonders liebevolle Aufmerksamkeit zu schenken, weil ich a) Stefan Griesgram für ein präpotentes, mitunter ahnungsloses, mit Sicherheit humorloses und hinsichtlich des destruktiven Permasuderns ganz sicher urtypisch österreichisches Kritiker-Nichts halte und mich b) nicht zur selbsternannten hippen Kulturpolizei zähle, die sich ausschließlich in schwer subventionierten Filmkunsttempeln kirgisische Low-Budget-Dramen mit russischen Untertiteln und ähnliches anschaut und vor allem analysiert (wobei der Part mit dem ja-nur-immer-fest-zukneifen eine besonders große Rolle zu spielen scheint), weil ja sonst der gute Ruf beim Teufel wäre.

Ja genau - Mr. & Mrs. Smith. Herr Pitt und Frau Jolie - John und Jane - sind ein perfekt gelacktes und in seiner plastikartig retuschierten Schönheit zunächst schrecklich unsympathisches Ehepaar. Gut situiert, tolle Jobs, massig Kohle, ein Haus wie aus dem Einrichtungskatalog eines Innenarchitekten auf der Höhe seiner Zeit. Im Bett läuft aber trotz jeweils perfekten Körperbaus leider nix mehr (genauso wie vermutlich bei Herrn Griesgram), die Ehe ist, samma uns ehrlich, Schatzi, völlig im Eimer, man hat sich entfremdet: volles Programm, wie man in der Hoffnung, daß Geld alles regelt, dem Paartherapeuten peinlich berührt erzählt, der sofort zu beschwichtigen weiß: das geht Millionen Paaren so.
Bloß daß John und Jane jeweils ein kleines Geheimnis haben, das sie doch wieder zu Individualisten weit abseits von Millionen von Paaren macht. Sie sind nämlich eigentlich Auftragskiller. Die besten ihrer Branche. Sie erledigt vor der Party im Haus der langweiligen Nachbarn noch schnell einen Mord, ihren 312. Er – doch der proletoidere Typ – macht seinen Job genauso virtuos, hat aber vorher noch ein bißchen Spaß beim Pokern. Später trifft man sich im Badezimmer und putzt sich in täuschender Eintracht das perfekte Hollywood-Gebiß, anderntags streitet man dann über den Neuerwerb Janes, grüne Vorhänge. Und Janes Kochkünste sind irgendwie auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, samma uns ehrlich, Schatzi. Nach diesem heiteren Vorspiel geht’s dann schließlich zur Sache. Die Bestien werden, perfider Zufall: gleicher Job, aufeinander losgehetzt. Barbie und Ken ohne jegliche Moral: plötzlich ist das jeweilige Gespons das Ziel, das liquidiert werden muß, was für einige Irritation auf beiden Seiten sorgt, wobei die Professionalität zunächst zu siegen scheint.
Ausgerechnet im Kugelhagel merken die beiden dann allerdings doch irgendwie, was sie aneinander haben. Crazy little thing called love fällt einem ein, wenn Jane John mit rauchender Kanone in einer Patt-Situation süßlich fragt: „Hast du den überlebt, Schatz?“ Sie nehmen in einem einzigartigen Befreiungsakt das perfekte Einfamilienhaus auseinander, sie verprügeln sich, daß die Fetzen fliegen, und dann lieben sie sich zwischen den Trümmern, bis die erschrockenen Nachbarn mit der Polizei vor der (noch intakten) Tür stehen.
"Ähm... Schade um den schönen Teak-Boden."
"Oh, wir renovieren gerade."

Irgendwann wird schnell klar: Wir gegen den Rest der Welt. Was vorher war, ist nicht mehr: zwei Einzelkämpfer tun sich zu einem brachial-eleganten Team zusammen, gegen das nichts und niemand eine Chance hat. Mr. & Mrs. Smith ist, wie an anderer Stelle trefflich bemerkt wurde, die Geschichte einer martialischen Ehekrise, zum Schreien komisch und – auf den Kern reduziert – sogar sehr altmodisch. Eine echte Krise, die daraus resultiert, daß zwei, die einander lieben, nicht ganz ehrlich zueinander waren (ein Euphemismus), will bewältigt werden, und das tut mitunter weh. Die Anzahl der Leichen in diesem Film läßt Herrn Tarantino vermutlich vor Neid erblassen. Brad Pitt und Angelina Jolie sind (angeblich ja sogar im echten Leben, ob das eine PR-Masche war, bleibt dahingestellt) das perfekt-artifizielle Paar – ihre Lippen so unecht, sein Sex-Appeal so gehyped -, und der Film an sich könnte von einem Bacardi-Werbespot-Regisseur stammen, der endgültig die Nase voll hat von der heilen Bacardi-Welt und immer schon davon geträumt hat, John Woo zu sein. Die politisch schwer inkorrekte, unbekümmerte und sehr ironische Geschichte einer nur oberflächlich sauberen Ehe: Griesgram-Adepten – bitte wegschauen. Alle anderen: anschauen!

Statistik

dieJulia | 1891 days ago | 12 Comments | Link

Jetzt würd ich EDV-Lulu® gern mal wissen, wieso ich im Newsforum von heise.de verlinkt bin. Und wo. Bin grad zu blöd/zu faul, das herauszufinden. Hmtja.

Ansonsten: Krieg der Welten. Ein erstaunlich düsterer Film, der erstaunlich nah an der Vorlage von 1898 klebt, zumindest was die Invasoren betrifft. Wundervolle "erste zehn Minuten", wenn man sich einmal mit dem klassischen Hollywood-Kino auseinandergesetzt hat - Spielberg hat's schon drauf, da können Grissemann & Co. unken, was sie wollen. Allein der Anfang ist eine Matchcut-Orgie sondergleichen. Die (umgebaute und ins amerikanische Jetzt versetzte) Story ist klassisch - Versager Cruise wächst - holpernd - angesichts der diffusen, aber gleichzeitig absolut tödlichen Bedrohung, über sich hinaus, um sein Kind/seine Restfamilie zu retten; die Bilder sind spektakulär, der Plot schon sehr ausgeklügelt - über weite Teile ein klaustrophobisches Kammerspiel, in dem Tom Cruise und vor allem Dakota Fanning (ich postuliere: aus diesem Kinderstar wird eine waschechte Diva werden... diese Augen!!) brillieren, mal im Faradayschen Käfig Auto, mal im Keller. Action-Fans werden hier gleichermaßen angesprochen wie Kinogänger, die den Horror schlechthin suchen - denn das absolut Böse, kalt und intelligent, ist gleichzeitig der Sehnsuchtshorizont, das Happy-End irgendwie vorprogrammiert (selbst wenn man die Romanvorlage nicht gelesen hat), und der Weg dorthin (für alle Filmfans) gespickt mit Zitaten (E.T. läßt grüßen, diesmal aber von seiner bösesten Seite), surrealen Bildern (der brennende Zug, der durch die Nacht rast) und patriotischen Symbolen (die Flaggen, die Kirche, die Panzer) ist weit. Mir hat "Der Krieg der Welten" gefallen, denn er spielt, logisch für Hollywood, mit Archetypen. Wo es H. G. Wells um das Zusammenbrechen der Zivilisation geht, beschwört Steven Spielberg die Keimzelle des Staates - die Famile, die trotz (oder gerade aufgrund) des unerbittlichen Terrors zusammenrückt, wenn auch denkbar unfreiwillig und - für den Protagonisten, der am Ende im strahlenden Licht verschwinden darf und alles verloren hat, worum es sich lohnte, zu kämpfen und zu töten - unbefriedigend. Ich wage zu behaupten, daß dem alten Herrn Wells dieser Film gefallen hätte, aber ich rate allen Hollywood-Hassern ab, sich ihn anzusehen. Gift wurde dahingehend genug verspritzt; ich bin da allerdings subjektiv objektiv und sage: fein.

Wieder da.

dieJulia | 2204 days ago | Comment | Link

In der Zwischenzeit ist allerdings auch nicht so wahnsinnig viel Nennenswertes passiert. Unter dem malerischen Titel "Kontemplation im Wald" ließe sich beispielsweise mein Aufenthalt in Bad Goisern zusammenfassen. Ansonsten hab´ ich "Sputnik Sweetheart" gelesen (ein für Murakamische Verhältnisse sehr heiteres Buch im übrigen, in dem es über weite Strecken ums Lesen und ums Schreiben geht - feine Sache!), drei Filme gesehen und meine Wohnungsentrümpelungsaktion gestartet (manche unter den Lesern dieses Blogs werden sicher die Mail mit dem Scanner-Verkauf erhalten haben...).

Ad Filme: einige Gedanken dazu kann ich mir ja nicht verkneifen.

"Elling 2 - Nicht ohne meine Mutter", ein unter dem Deckmäntelchen der "schrägen Komödie" getarntes Sozialdrama reinsten Wassers könnte ja glatt von einem österreichischen Filmemacher im Exil stammen. Wer ihn gesehen hat, wird davon überzeugt sein, daß diese Welt von einer trüben Funzel beleuchtet und Lebensfreude nur ein blödsinniger Irrtum ist. Die einzige sympathische Figur in diesem Film ist eine abgemagerte Katze, die Hühnerknochen frißt und an einer Stelle schnurren darf. Recht viel mehr gibt es darüber nicht zu sagen. Vielleicht ein geschickter Schachzug der Pharmaindustrie, quasi verstecktes Marketing für Antidepressiva? Fazit: Wenn es Ihnen zu gut geht und Sie Ihren Übermut satt haben: Schauen Sie sich diesen Film an. Es wird Ihnen danach garantiert schlechter gehen, und Sie werden garantiert kein einziges Mal lachen müssen.

Die Idee, "Station Agent" zu sehen, wurde von mir unter dem frischen Eindruck von "Elling" äußerst kritisch beäugt, und ich erwartete böse grinsend im Kinosessel hockend das Schlimmste. Der Protagonist ein echter Zwerg? Eine ganze Latte Auszeichnungen am Sundance Filmfestival? Jössas, da würde es wieder dramateln und katharserln, so meine Befürchtung, die dann aber zerstreut wurde. Doch, "Station Agent" kann man sich anschauen. Es waren sogar ein paar Schmunzler und Lacher dabei, die sich gegen suizidale Malerinnen, dicke Außenseiterschulmädchen und sonstige Klischees behaupten konnten. Fazit: Kann man lassen.

"Die Frauen von Stepford" war der aufmüpfige Versuch meinerseits, wieder ein bißchen mehr Mainstream in die Kinogehgewohnheiten zu bringen: Man kann sich diesen Film ungefähr so vorstellen, als würde Tim Burton einen Persil-Nostalgie-Werbespot drehen, und wenn man sich mit dem Gedanken, sich sowas anzuschauen, anfreunden kann, wird man während dieses Films ziemlich viel Spaß haben. Fazit: Eine völlig übergeschnappte Nicole Kidman, eine hysterische Glenn Close und ein ziemlich authentischer Christopher Walken sind immer für ein paar dreckige Lacher gut.