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derWeltraumroman (7)

dieJulia am Montag, 30.01.06 - 09:18 | 31 Kommentare | Link

„Verschnüren Sie ihn“, wies Julez Commander Kaydee an, während sie ihre Tasche unter der Konsole hervorzog, und warf ihm eine große Rolle Klebeband zu. „Ich kümmere mich inzwischen um die Sicherheitsvorkehrungen, wenn’s recht ist.“
„Mhm, verschnüren. Sagen Sie, Commander Julez, Sie sind sich aber schon dessen bewußt, daß ich über Vorgänge wie diesen hier grundsätzlich umgehend Meldung zu machen habe, oder?“ Er legte den Kopf schief und schaute ihr direkt in die Augen. „Speziesrechte, die United Planets, Amnesty Interplanetary und all der Kram, Sie wissen schon...“
The Cat kam langsam aus der Hocke hoch und erwiderte ruhig seinen Blick.
Grundsätzlich, Commander, müßte ich Ihnen zustimmen. Aber dieser Fall“ sie zog eine Augenbraue hoch und steckte eine kleine Karte in das Lesegerät „ist ein wenig anders gelagert.“ Sofort quengelte der Bordcomputer los. „Sie haben keine Befugnis, Daten in das System zu lad“ – aber schon hatte sie mit ein paar Klicks die automatische Steuerung deaktiviert.
Commander Kaydee runzelte die Stirn und deutete mit dem Kinn auf die Steuereinheit. „Was...?“
„Ich sagte Ihnen doch: Sicherheitsvorkehrungen. Diese kleine Firewall wird künftig unter anderem verhindern, daß sich Leute wie Tomarctus ungefragt auf Ihr Schiff beamen können. Außerdem ist die Stealth-Funktion nicht zu verachten, wenn Sie mal ein bißchen ungestört sein wollen.“ Sie grinste breit. „Wenn Sie jetzt bitte Ihre Zugangsdaten eingeben und mit der Installation weitermachen wollen?“

Sie kam auf ihn zu und zuckte die Achseln. „Commander Kaydee, ich weiß, es ist schwer, jemandem zu vertrauen, den man erst seit einer dreiviertel Stunde kennt und der bisher nur Scherereien gemacht hat. Ich bitte Sie aber – tun Sie’s trotzdem. Ich bin von der guten Seite.“ Dann nahm sie ihm das Klebeband aus der Hand und machte sich daran, den reglosen Tomarctus selbst zu verpacken, während der Commander an der Konsole Platz nahm.
„Was die UP und die Canidianer betrifft: Nein. Diese Sache hier“, sie biß schnaubend das letztes Stück von der Rolle ab und betrachtete nachdenklich ihr Werk in Form des sorgfältig verschnürten canidianischen Anführers, der im Schlaf richtig friedlich wirkte, „geht nur die Canidianer und die Shebanianer was an. Ich darf Sie außerdem daran erinnern, daß unsere beiden Planeten nicht der UU angehören. Wollen Sie wirklich Bericht über eine kriegerische Auseinandersetzung zweier fremder Spezies auf der Brücke Ihres Schiffes erstatten?“
Commander Kaydee rieb sich die Schläfen. „Sie verlangen ziemlich viel von mir, wissen Sie? Diese Sache geht nämlich jetzt auch mich was an, und ich repräsentiere als Commander dieses Schiffs die Universal Union. Aber angesichts der erfreulichen Tatsache, daß ich in dieser Mission ziemliche Narrenfreiheit genieße und die Wahrscheinlichkeit einer unangemeldeten UUSA-Inspektion als äußerst gering erachte, verzichte ich auf eine Meldung an die Zentrale. Vorerst.“ Insgeheim grinste er. Meldung an die Zentrale, haha. Dieser Schwachfug war ihm immer schon schwer auf die Senkel gegangen, wenn er ehrlich war.
The Cat lächelte erfreut. „Vor allem möchte ich dann mit dem Subraumscan beginnen, Commander. Dauert nämlich seine Zeit, und Wurmlöcher sind nicht gerade sehr stabil, wie Sie wissen.“
„Tun Sie, was Sie tun müssen“, seufzte Kaydee und machte ihr Platz. „Ich gehe inzwischen Kaffee kochen.“
„Oh, eine fabelhafte Idee. Mit extraviel Milch, bitte.“ Sie steckte eine weitere Karte – den Subraumscanner – in das Lesegerät und begann mit der Installation.

Commander Kaydee stand in der Raumschiffsküche und suchte ohne Erfolg nach sauberen Kaffeebechern, während die Kaffeemaschine gurgelte. Letztere hatte er nebst 100 Kilogramm seines Lieblingsbohnenkaffees selbst mitgebracht, denn das belebende Heißgetränk war für ihn definitiv unverzichtbar. Er öffnete die Milchlade des Kühlschranks, der die gesamte Wand einnahm, und nahm eine Packung Milch heraus. Hoffentlich macht mir das Kätzchen nicht meine ganzen Vorräte alle, dachte er mit dem Anflug eines spitzbübischen Grinsens. Verdammt lang her, daß er einer Frau Kaffee serviert hatte... Ach ja, die Becher. Seufzend holte er zwei aus der Spüle und hielt sie nacheinander in den Ultrareinigungsnebel. Da konnte die Menschheit Raumschiffe wie dieses bauen und hatte noch immer das Problem des unkomfortablen Geschirrspülens nicht gelöst. Komische Welt. Der Kaffee war inzwischen fertig, und er stellte alles auf ein großes Tablett, um es auf die Brücke zu tragen.

Commander Julez staunte nicht schlecht. „Echter Kaffee? Ich faß es nicht!“
Er grinste sie freundlich an. „Na klar! Dieses Automatenzeug ist ja eine Beleidigung des guten Geschmacks...“
Sie schenkte ihm ein seliges Lächeln, als sie ihren Becher an die Lippen hob. „Mein Vater hat diese wunderbare Pflanze und die Technik, sie zu verarbeiten, nach Sheba gebracht. Ist ein ganz schön großer Wirtschaftszweig geworden...“ Sie setzten sich auf die Couch, die er in seiner ersten Woche im interstellaren Raum aus seiner Wohneinheit auf die Brücke geschafft hatte.
„Der Scan wird ungefähr 20 Minuten dauern“, erklärte Commander Julez und machte es sich bequem. „In der Zwischenzeit kann ich Ihnen ein bißchen von den Canidianern, den Shebanianern und den Wurmlöchern in diesem Sektor erzählen.“
Commander Kaydee lehnte sich zurück und wärmte sich die Hände an seinem Becher.
„Gute Idee,“ brummte er. „Ich bin ganz Ohr!“

[Fortsetzung folgt...]

Was bisher geschah:
Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6. Oder gleich Kategorie: derWeltraumroman

Kategorie: derWeltraumroman 

Kommentare

  1. Diabolino am 30.01.06 - 21:32
    (Editiert: 30.01.06 - 20:32)
    Jetzt hat KD endlich ein Einsatzgebiet gefunden, bei dem er seine Fähigkeiten voll ausspielen kann: der Küchendienst! Ist eigentlich das Klo schon geputzt?
  2. dieJulia am 30.01.06 - 21:34
    (Editiert: 30.01.06 - 20:34)
    Bitte, Diabolino - er hat nur getan, was ein Mann nach einer anstrengenden Szene tun muß. Er hat Kaffee gekocht! Das ist sexy!
  3. Diabolino am 30.01.06 - 21:36
    (Editiert: 30.01.06 - 20:36)
    Kann es sein, daß du zu seinen Gunsten voreingenommen bist?
  4. dieJulia am 30.01.06 - 21:40
    (Editiert: 30.01.06 - 20:40)
    Bitte, Kaydee ist mein höchstpersönlicher Romanheld! Selbstverständlich bin ich da subjektiv! :)
  5. Diabolino am 30.01.06 - 21:48
    (Editiert: 30.01.06 - 20:48)
    Also im Vergleich zu Lt. Julez macht er eine recht armselige Figur. Mit diesem Teufelsweib kann nicht einmal die schnucklige Diabolinita mithalten! - Was wurde übrigens aus dem Mädel? Spielt sie noch ihre Fesselspielchen?
  6. dieJulia am 30.01.06 - 21:52
    (Editiert: 30.01.06 - 20:52)
    Die kleine Diabolinita?
    Wacht über meine Bücher und fühlt sich pudelwohl! ;-j
    Und was den Kaydee betrifft - der wird seine Stärken schon noch ausspielen, das versprech' ich...
  7. Diabolino am 30.01.06 - 21:55
    (Editiert: 30.01.06 - 20:55)
    Ich glaub's erst, wenn ich's lese - und auch dann noch nicht so recht. Wahrscheinlich wirst du ihn dir schön schreiben.
  8. Kristof am 30.01.06 - 21:59
    (Editiert: 30.01.06 - 20:59)
    Ein Subraumscan? Und die sitzen da seelenruhig auf der Couch? Mann, was coole Typen.
  9. dieJulia am 30.01.06 - 22:04
    (Editiert: 30.01.06 - 21:04)
    Diabolino, du mußt dich auf die Story einlassen. Wie du sicher schon herausgefunden hast, respräsentiert The Cat das Wilde, Rebellische, Intuitive. Und außerdem ist sie mein Weltraumgroschenroman-Alter Ego. Wir müssen Commander Jonathan Kaydee schon ein bißchen zappeln lassen, ehe wir uns von unserer schwachen Seite präsentieren, verstehst du...?
  10. dieJulia am 30.01.06 - 22:05
    (Editiert: 30.01.06 - 21:05)
    Kristof: aber ja - sicher sind das coole Typen! Ist ja deren Job! ;-)
  11. Diabolino am 30.01.06 - 22:12
    (Editiert: 30.01.06 - 21:12)
    Was für eine schwache Seite?? Ich dachte, diese Julez ist ein Vamp, eine schwarze Witwe, eine Blaubärtin! Ich hoffe, du willst nicht meinen Glauben an das Böse im Menschen erschüttern.
  12. dieJulia am 30.01.06 - 22:17
    (Editiert: 30.01.06 - 21:17)
    Fortsetzung folgt...
    Selbstverständlich hat The Cat auch schwache Seiten. Und was für welche!
  13. Diabolino am 30.01.06 - 22:23
    (Editiert: 30.01.06 - 21:23)
    Bitte keinen Kitsch!! Das ist ein WELTRAUMROMAN, kein Arzt- oder Heimatroman. Wenn du Genres nicht sauber auseinanderhältst, überschreitest du die Grenzen der Trivialliteratur und am Ende wird noch Kunst daraus!
  14. Diabolino am 30.01.06 - 22:27
    (Editiert: 30.01.06 - 21:27)
    Nebenbei: Wenn Julez das Wilde, Rebellische, Intuitive repräsentiert, dann bleibt nach Dr. Freud für KD nur mehr die Rolle des Braven, Angepaßten, Verkopften übrig. Ist doch logisch!
  15. dieJulia am 30.01.06 - 22:35
    (Editiert: 30.01.06 - 21:35)
    Grenzen? Was für Grenzen? Genres? Was für Genres? Kitsch? Ja, her damit! Kunst? Igittigitt. Subraumscan statt Subkultur! Und bitte kein Geschlechter-Kram. Freud: schon lange tot. Logik: nix für die Weltraumroman-Autorin. ;-)
  16. Diabolino am 30.01.06 - 22:41
    (Editiert: 30.01.06 - 21:41)
    Ich sehe schon, ich muß mich darauf einstellen, daß es in diesem Roman tatsächlich noch ein Happy End gibt. Brrr!
  17. dieJulia am 30.01.06 - 22:54
    (Editiert: 30.01.06 - 21:54)
    Ein Groschenroman impliziert immer ad 1) eine Endlosschleife und ad 2) ein Happy End. Vielleicht. Einfach weiterlesen...
  18. Diabolino am 30.01.06 - 23:05
    (Editiert: 30.01.06 - 22:05)
    Ein Happy End in der Endlosschleife - das ist die Hölle! Auf diese Weise könnte sich der Roman durchaus in meinem Sinn entwickeln. Ich komme wieder!
  19. bjklog am 30.01.06 - 23:20
    (Editiert: 30.01.06 - 22:20)
    Oh, das ist ja spannend! - Und wie. Bitte mehr davon. - Und bitte auch ordentlich Kitsch. Darauf stehe ich nämlich. Ich hab eine Weile nicht mitgelesen und gerade die Teile 3 - 7 nachgeholt. Immer schön weitermachen.
  20. dieJulia am 30.01.06 - 23:24
    (Editiert: 30.01.06 - 22:24)
    Aber klar, lieber bjk - Houston arbeitet dran! ;-)
  21. Alexander Z. am 05.02.06 - 18:16
    (Editiert: 05.02.06 - 17:16)
    Wenn Houston bei der Mondlandung auch so lange über der nächsten Folge gebrütet hätte, hätten die USA auch diesen Erfolg den Sowjets überlassen müssen.
  22. dieJulia am 05.02.06 - 19:37
    (Editiert: 05.02.06 - 18:37)
    Geduld, Geduld.
    Um den Wert des Geschriebenen hervorzuheben, hat theCat beschlossen, nicht zu inflationär mit neuen Episoden des fulminanten Weltraums umzugehen.
  23. Das Ding aus einer anderen Welt am 05.02.06 - 20:00
    (Editiert: 05.02.06 - 19:00)
    Wenn es so lange dauert, bedeutet das dann vielleicht, daß ich auch endlich eine Rolle in diesem Roman kriege?
  24. joppi am 17.10.06 - 12:19
    (Editiert: 17.10.06 - 12:19)
    *hust hust* meine Güte ist das hier unten staubig. war gerade im Keller, ein wenig im Archiv geschmöckert. Hab aber nur die ersten 7 Hefte gefunden... wo sind die restlichen ( staubt sich die Ärmel ab und hustet ein paar Spinnen aus )?
  25. dieJulia am 17.10.06 - 12:55
    (Editiert: 17.10.06 - 12:55)
    Ich bin begeistert, daß sich da noch wer hin verirrt! Die restlichen Hefte? Sind im Wurmloch verschwunden. Und wer ist schuld? Der Muserich von damals, der unzuverlässige Strolch.

    ;-)
  26. Kristof am 17.10.06 - 14:15
    (Editiert: 17.10.06 - 14:15)
  27. dieJulia am 17.10.06 - 14:33
    (Editiert: 17.10.06 - 14:33)
    Du! Von Dir lasse ich mir nu aber keinen Imperativ ins Stammbuch kleben!

    ;)
  28. Kristof am 17.10.06 - 14:37
    (Editiert: 17.10.06 - 14:37)
  29. dieJulia am 17.10.06 - 14:49
    (Editiert: 17.10.06 - 14:49)
    :-))
  30. Kristof am 17.10.06 - 14:53
    (Editiert: 17.10.06 - 14:53)
  31. dieJulia am 17.10.06 - 14:58
    (Editiert: 17.10.06 - 14:58)
    Kommt Muserich, kommt Rat.